Ich & Ich

Mich gibt es doppelt. Seit etwas über 10 Jahren. Es gibt mein deutsches Ich und es gibt mein englisches Ich. Die beiden sind keinesfalls identisch, auch wenn es sich eigentlich um die gleiche Person handelt.

Als ich 2000 als Au-Pair in die USA ging wurde ich von Belle zu Bibi. Leider ist mein (echter) Name für englischsprachige Menschen nicht aussprechbar, deshalb musste ein Spitzname her. So wurde ich zu Bibi. In dem einem Jahr, in dem ich drüber war, habe ich viel gelernt – über mich, was ich kann, was ich nicht kann, was ich mag, was ich brauche, was ich erwarte, von mir und von anderen. Ich wurde zu Bibi, die Belle, dich zurückgelassen hatte, verschwand und kam auch nicht wieder als ich wieder zuhause war. Sie wurde eher zu einem Mix aus Bibi und Belle. Über die Jahre hat sich das etwas relativiert, aber ich bin auf Englisch immer noch anders als ich auf Deutsch bin. Und ich muss ehrlich sagen, ich mag Bibi mehr als Belle. Bibi ist nicht so steif und schottet sich nicht so ab wie Belle. Bibi gibt in einem Satz viel mehr von sich preis, als das bei Belle an einem ganzen Tag passiert. Sie ist irgendwie entspannter. Schon merkwürdig, wie einem so ein bisschen Sprache doch so viel mehr Möglichkeiten gibt.

Ich fand es beruhigend herauszufinden, dass das nicht nur mir so geht. Erst als in meiner Ausbildung unsere schottische Lehrerin für Wirtschaftsenglisch von einer Mitschülerin, die zuhause italienisch sprach, wissen wollte, ob sie auf italienisch auch anders wäre als auf deutsch, wurde mir klar, was die Sprache und die Mentalität, die damit automatisch einher geht für einen Unterschied macht.

Cerah ist der Ansicht, dass ich Bibi lieber mag, weil ich mit ihr Bibi bin und sie das Beste in mir rausgebracht hat, was ich sein kann. Recht hat sie. Erst als Bibi – und mit Cerah – wusste ich endlich wer ich bin und hatte nicht mehr das Gefühl zwischen den Stühlen zu sitzen. Manchmal ist die Antwort so einfach. Man muss sie nur finden.

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Ein Gedanke zu “Ich & Ich

  1. Das mit den zwei „ichs“ kenne ich nur zu gut und komischerweise ist mir auch mein Englisches Ich lieber.
    Außerdem habe ich auch manche Leute, mit denen ich nur Englisch spreche (wenn ich sie zum Beispiel von der Englischen Kirche her kenne), obwohl wir uns auch Deutsch unterhalten könnten. Manchmal ist das irgendwie einfach so.

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