Höha, Schnella und Weita*

oder auch: Der olympische Gedanke beim Kindererziehen! (Aufgabe 9 der Blogparade)

Mein Kevin-Justin ist erst 3 und kann schon ganz alleine Autofahren! Und deiner?“ Mein Kevin-Justin kann das nicht. Muss und soll er auch gar nicht können. Aber kennen tut das jeder mit Kind. Diese ewige Vergleicherei: meiner kann schon, deiner auch? Oder Ach, deiner kann das schon? Betretenes Schweigen und Schuldgefühle, weil das eigene Kind so doof ist. Gerne von wildfremden Spielplatzmüttern/ -omas praktiziert.

Was ein Glück, dass sowas bei mir zum einen Ohr rein und zum anderen wieder rausgeht. Oder eher: mein selektives Gehör lässt das gar nicht erst in die Nähe der Hörmuschel. Solche Dinge prallen an mir ab.

Dass das so ist, liegt an dem wie ich bin. Ich bin kein Herdentier. Wenn man mich zu etwas drängen will, erreicht man damit so gut wie immer nur das Gegenteil. Reaktanz bin ich und so. Es war mir schon immer recht egal, was der Rest der Welt davon hält, was ich mache und das ist bis heute so geblieben. Es gibt ein paar, ganz wenige Menschen, deren Meinung und Zustimmung mir wichtig ist, alle anderen – jo, das sind halt nur die anderen.

Aus diesem Grund ist mir diese Kindervergleicherei auch ziemlich zuwider. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Kind ein Kind ist und keine Maschine. Jedes Kind/ jeder Mensch ist anders. Es gibt Dinge, die kann man, die macht man gerne, die funktionieren einfach. Und andere, an denen beißt man sich die Zähne aus und es bleibt ein ewiger Kampf. Auch im Erwachsenenalter.

So konnte ich zum Beispiel ewig lange keine analogen Uhren lesen. In der Grundschule ging das gar nicht, da lernt man das ja und auch später habe ich darum einen weiten Bogen gemacht. Heute kann ich zwar entziffern, was mir die Uhr sagen will, liege aber trotzdem mal gerne eine Stunde daneben. Die Dinger sind einfach nicht für mich gemacht. Wieso merkwürdige Zeiger und einen Kreis mit Zahlen nehmen, wenn vernünftige Zahlen in einer vernünftigen Form viel aussagekräftiger sind? 15: 27 Uhr und nicht ein großer Zeiger in der Kurve und der andere in der andern Kurve. Damit kann doch kein Mensch was anfangen.

Wie dem auch sei. Ich finde diese Vergleicherei überflüßig und finde, dass das nur unnötig Druck aufbaut, wo eigentlich keiner sein sollte.

Was ich allerdings mache ist, dass ich die Kleine mit dem Großen im gleichen Alter vergleiche. Aber nicht, weil ich finde, dass sie das dann unbedingt auch können müsste oder sowas, sondern weil ich es interessant finde zu sehen, wie unterschiedlich Geschwister sind. Und die sollten ja eigentlich ziemlich viel gemeinsam haben.

Deshalb meine Meinung zum Thema: Lasst die Vergleicherei, lobt das, was das Kind kann und lasst die anderen anders sein. Es lebt sich so viel leichter und dem Kind habt ihr auch einen Gefallen getan, wenn ihr ihm nicht ständig vermittelt, dass es nicht gut genug ist und eure Liebe nur dann verdient, wenn es alles am besten kann.

Die Sponsoren diese Woche sind alles zusammen Sachen, zu denen ich sogar etwas sagen kann. Wir hätten da: eine Firma namens kiddy, die ein tragbares Reisetöpfchen anbietet. Sehr praktisch. Wir hatten da nämlich ein Exemplar Kind, was immer dringend mal Pipi musste, wenn wir gerade auf die Autobahn gefahren waren. Nach einer wiederholten Serie von auf dem nächsten Parkplatz anhalten und in die Wildnis pinkeln, war er dann der Ansicht, man könne nur auf Gras pinkeln und sonst nichts. Nicht sehr hilfreich, denn daheim wird aufs Klo gegangen und nicht im Garten sein Geschäft verrichtet.  Der nächste Sponsor hat eine Seite mit Kinderzimmer-Ideen, was ich auch immer super finde, denn ich bin ein großer Fan von bunten, kindgerechten Kinderzimmern. Ich hätte auch nichts gegen ein Barbie-Schlafzimmer für uns Große, aber da würde meine Frau vermutlich die Scheidung einreichen.  – Und dann: Funlinsen! Yes! Sowas hatte ich als Teenie und hab die Dinger geliebt! Man sieht zwar nicht wirklich viel damit. Vor allem wenn’s in der Disco eh schon dunkel ist, aber man zieht alle Blicke auf sich. – Der letzte im Club der Sponsoren verteilt Gutscheine. Auch gut. Beim Jochen Schweizer war ich mal Bungeespringen. Allerdings ohne Gutschein. Und eigentlich wollte ich auch gar nicht springen, aber weil ich schon mal da war und ich das Geld vorsorglich mitgenommen hatte, bin ich dann eben auch mal kurz von nem 50 Meter Kran gehüpft. Was man nicht so alles macht.

* Hessisch für Höher, Schneller und Weiter – Ein Lied aus den 90ern vom Rödelheim Hartreim Projekt (youtube)

 

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8 Gedanken zu “Höha, Schnella und Weita*

    • frage mich gerade, wo der Kopierer in meinem Kommentar hergekommen ist. Angesichts dessen sollte man mal überlegen, ob Handyspracherkennung bzw. T9 Fluch oder Segen ist… sollte „mal wieder“ heißen ^^

    • Mir geht’s da ähnlich: wurst, wann unserer Kleine was kann – und noch wurster, wieviel schneller der Kopierer vom Nachbarn irgendwelche Tricks draufhat. Wir sind hier im Leben, nicht auf ner Hunde-Leistungsschau!

  1. Die Uhr kann ich, aber ich tue mir schwer mit den Himmelsrichtungen (da muss ich eine Eselsbrücke herauskramen und es dauert gut eine Minute, bis ich weiß, welche Himmelsrichtung denn das nun ist), Straßenkarten (benutzt jemand heute noch so etwas?) drehe ich um, um zu wissen, wohin ich fahren muss.
    Bei mir ist es auch so: es gibt ein paar Menschen, die mir wichtig sind und deren Meinungen ich mir gerne anhöre und viel Wert darauf lege, alle anderen sollen reden…

  2. ganz besonders : „Deshalb meine Meinung zum Thema: Lasst die Vergleicherei, lobt das, was das Kind kann und lasst die anderen anders sein. Es lebt sich so viel leichter und dem Kind habt ihr auch einen Gefallen getan, wenn ihr ihm nicht ständig vermittelt, dass es nicht gut genug ist und eure Liebe nur dann verdient, wenn es alles am besten kann.“ hat mir sehr gut gefallen!

    ich hab mit dem uhr lesen nicht so das problem – dafür mit links und rechts 😉

    Liebe Grüße
    Elli

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