Der Reise Anfang

Mein Flieger ging um 13 Uhr ab Frankfurt. Der gleiche Flug mit dem 49 Tage vorher meine Familie bereits geflogen ist. Netterweise hatten sich meine Eltern bereit erklärt, mich nach Frankfurt zu fahren. Da mein Papa allerdings noch ein paar Stündchen arbeiten wollte/sollte, waren wir früh dran und um 9:26 waren mein Koffer und ich bereits eingecheckt und ich hatte massig Zeit zum totschlagen. Der Koffer lag übrigens ein knappes Kilo über dem Höchstgewicht, aber netterweise war das den Damen und Herren der Airline egal. Ich musste mich auch nur draufknien um das Ding mit Gewalt zu zu bekommen. Dem Bluray-Player in der Mitte und dem Maßkrug nebendran hat’s zum Glück nicht geschadet. Das Handgepäck war ähnlich überladen und eigentlich auch zu schwer und zu groß, aber ich wußte schon vorher, dass die da recht kulant sind und so habe ich es einfach drauf ankommen lassen. Blieb mir ja auch nicht viel anderes übrig. Meine Handtasche war ebenso gestopft voll, ich hatte zwei Jacken an, um Platz im Koffer zu sparen und einen Hut auf dem Kopf, den Cerah gerne haben wollte. Der Hut sah übrigens so aus. Das nur zur visuellen Verdeutlichung.

Bevor ich mich durch die Kontrolle zum Gate begab, ass ich einen Obstsalat, der bereits am Vortag das MHD überschritten hatte – fiel mir allerdings erst hinterher auf, kann also so schlimm nicht gewesen sein – und rannte ungefähr 15 Mal zur Toilette. Nervöse Blase und so. Irgendwann beschloss ich dann, dass es jetzt mal an der Zeit sei durch die Kontrolle zu gehen. Beim letzten Mal durfte ich mit Frau und Kind durch die Familienkontrolle, die doch eher lax ist und dieses Mal dann das volle Programm. Der nette junge Mann, der meine Habseligkeiten in Empfang nahm, meinte auch gleich er müsse mich jetzt mit „Cowgirl“ ansprechen, wäre ja sonst irgendwie nicht witzig. Natürlich hat er mich damit so aus dem Konzept gebracht, dass ich munter mit meinen Jacken durch die Kontrolle gehen wollte. Und dann ging’s weiter: Hinstellen, warten, abtasten, Metalldetektor, Schuhe aus, Schuhe durch die Kontrolle, Schuhe zurück und das war’s dann auch schon. Die ganze Zeit beobachtete ich mein Handgepäck und meine Handtasche, die natürlich auch geröntgt wurden. Mein Handgepäck blieb mindestens eine Minute unter der strikten Beobachtung der Dame am Bildschirm, die wirklich jede einzelne Einstellungsart ausprobierte, trotzdem nicht zufrieden war und das gute Stück dann schließlich zur Dame mit den Gummihandschuhen weiterschleuste, die alles durchsuchen darf. Prima, dachte ich mir nur. Wie nett, dass ich das Teil jetzt aufmachen darf. Wissen die denn nicht, dass ich das hinterher nicht mehr zubekomme? Und überhaupt, was bitte haben die an meinem Handgepäck auszusetzen?

Ich also zur Gummihandschuhdame hin, die auch gleich von mir wissen wollte, was ich denn da bitte metallenes am Griff des Trolleys oben hätte. Ähm, wie wäre es mit: Keine Ahnung? Ich mache also den Trolley auf, zwei Millionen Sachen quellen heraus, ganz oben drauf ein Rucksack, aber nichts metallenes. Denke ich mir, das muss also etwas im Rucksack sein, würde auch Sinn machen, da habe ich nämlich meine Techniksammlung (diverse Ladegeräte, externe Festplatten und solche Späße) und tatsächlich, was zieht Frau Gummihandschuh raus: Unseren gute Schraubenzieher! Ich schaue nur dumm aus der Wäsche und bringe den Kommentar raus: Oh, ich dachte, der wäre im Koffer. Wie überaus schlau einen Schraubenzieher mit sich durch die Gegend zu tragen. Nur ein Messer oder ein Sprengsatz wären besser gewesen. Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich nicht mal eine Ahnung, dass ich den überhaupt irgendwo dabei hatte. Ich war bis zu dem Zeitpunkt nämlich der Überzeugung, den hätte ich bereits per Post geschickt.

Zwischenzeitlich stand Freund Cowgirl neben Frau Gummihandschuh und zeigte sich sehr am Geschehen interessiert. Wie nett, dass er mich nicht vergessen hatte. Hab ich mich gleich zwei Mal zum Affen gemacht. Da steh ich ja drauf. Frau Gummihandschuh meinte, ich könne ja nochmal raus und ihn einchecken. Ich sah mich im Geiste meinen Schraubenzieher einchecken, wie er einen hübschen Aufkleber bekommt und dann per Fließband in die Gepäckabteilung befördert wird und dann von einem extra schraubenzieherbeauftragten Flugbegleiter in das Flugzeug getragen wird und das war mir dann doch endgültig zu doof. Also wegwerfen, was anderes bleibt auch nicht übrig. Freund Cowgirl erklärte sich gleich großzügig bereit, sich meines Schraubenziehers anzunehmen. Welch Menschenfreund! Der war sicher nur scharf auf das tolle Werkzeug, was er umsonst abstauben konnte. Und ich durfte endlich weiter. Der nächsten Peinlichkeit entgegen.

Erst Tage später ging mir übrigens auf, dass Frau Gummihandschuh nicht vorschlug, den Schraubenzieher einzuchecken, sondern die ganze Tasche mit dem Schraubenzieher drinne, aber in dem Moment als ich da stand, war ich steif und fest davon überzeugt, sie meint den Schraubenzieher alleine – ohne Tasche drumrum.

Advertisements

2 Gedanken zu “Der Reise Anfang

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s