Die Mitte und das Ende

Irgendwann später war es dann mal Zeit mich zu meinem Gate zu begeben. Die netten Herren der erneuten Passkontrolle fanden irgendwie auch, dass ich so aussehe als ob man mit mir mal ein Späßchen machen müsste und verkündeten kurzerhand, dass hier jetzt geschlossen sei und ich nicht durch dürfte. Gefolgt von einem Hahahaha, Witzchen gemacht, klar ist hier auf. Ist doch immer wieder nett.

Ich hatte gehofft, dass der Flieger relativ leer ist, damit ich mich ohne Sitznachbar ausbreiten kann, leider war dem aber nicht so und ich hatte vermutlich die einzige Person im ganzen Flieger neben mir, die weder englisch, noch französisch, noch deutsch sprach. Das machte die Verständigung doch etwas schwierig und fing gleich schon doof an, weil sie der Ansicht war, der Fensterplatz wäre ihrer, was er aber nicht war. Aber was soll’s. Den Rest des Fluges, immerhin stattliche 8 Stunden, versüßte sie mir damit, dass sie alle 30 Minuten irgendwelche Tabletten zu sich nahm, ständig versuchte, sich über mich zu lehnen, um die Wolken von oben betrachten zu können und zu frieren. Irgendwann stand sie mal auf, und kam mit einer Flugbegleiterin und zwei extra Decken zurück in die sie sich dann wie eine Mumie einhüllte. Unter ihre Brille klemmte sie sich ein Tempo, damit sie die kalte Luft nicht einatmen musste und wenn ich irgendwie gekonnt hätte, hätte ich davon ein Bild gemacht. War nur leider nicht unauffällig möglich. Kurz vor der Landung habe ich dann doch den Platz mit ihr getauscht, damit sie auch mal ein bisschen aus dem Fenster schauen kann. Im Zuge dessen fiel mir auf, dass sie ihre Einwanderungskarte nicht ausgefüllt hatte und ohne die lassen einen die Kanadier nicht ins Land. Also hab ich ihr geholfen diesen Zettel auszufüllen, mit Händen und Füßen und der Hilfe meiner Karte. Das ging auch so schlecht und recht und sie zeigte sich doch auch dankbar dafür.

Nach der verspäteten Landung war mir gleich klar, dass man mir meinen Pass nicht einfach so abstempeln würde, sondern mich durch die Immigration schicken würde. Eine Aufenthaltsdauer von 70+ Tagen und meine Aussage, dass meine Familie bereits hier wohnt und ich eine Aufenthaltsgenehmigung in Aussicht habe, besiegelte dann mein Schicksal. Dann kam mein Koffer auch noch irgendwann ganz zum Schluß, da ich ihn schon so früh eingecheckt hatte und vor der Immigration war eine Warteschlange in der sich meine Sitznachbarin (Aufenthaltsdauer 32 Tage –  aus Polen – zu Besuch bei ihrer Schwester) ebenfalls befand. Der Rest bestand hauptsächlich aus Indern. Der Herr von der Immigration, dem ich meine Geschichte ebenfalls erzählen durfte, war sehr nett und stempelte meinen Pass mit einem Besuchervisum für 6 Monate. Nicht dass ich das gebraucht hätte, aber so bin ich wenigstens offiziell eingereist und laufe nicht Gefahr, dass man mich des Landes verweist.

All das dauerte natürlich ewig und ich dachte die ganze Zeit an Cerah, die mit zwei ungeduldigen kleinen Kindern draußen stand und wartete. Und wartete. Und wartete. Ich wußte genau, dass sie sich Sorgen machen würde, je länger ich nicht kam – von wegen, die schicken mich umgehend wieder zurück (Australien macht sowas gerne mal) oder sonstige furchtbare Dinge. Irgendwann durfte ich dann endlich aus dem Hinterausgang ins Flughafengebäude und sah die drei von hinten wie sie gespannt auf den offiziellen Ausgang schauten. Ich schlich mich von hinten an und wollte sie überraschen, aber scheinbar war ich zu laut und ich wurde vorher enttarnt. Dude und Cerah strahlten über das ganze Gesicht und Dude ließ meine Hand gar nicht mehr los. Miss Gigi saß im Kinderwagen und schaute mich nur ungläubig an. Sie brauchte am längsten bis sie glauben konnte, dass ich da bin.

Ja so war das. Die ersten paar Tage hingen beide Kinder wie Kletten an mir, was sich mittlerweile wieder etwas gelegt hat. Mein erstes Wochenende alleine im neuen Haus ohne Cerah habe ich auch schon hinter mir und so ganz langsam fängt es an sich nach zuhause anzufühlen. Es ist ziemlich viel noch in Kisten und es fehlen – trotz aller Geschenke – noch so ein paar Möbel und Sachen, aber es wird. Ich habe auch noch Bilder vom Ausflug in die kanadische Wildnis vom Sonntag, nur leider sind die noch auf der Kamera. Aber das kommt auch noch. Der Indian Summer fängt so langsam an und meine Kamera wartet nur darauf zwei Millionen Bilder zu machen.

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3 Gedanken zu “Die Mitte und das Ende

  1. Trotz nervigem Flug hört sich das doch alles in allem nach einem guten Start an! Ich freu mich für euch, auch ganz unbekannter Weise. Wenn ich mir überlege, wie lange ich schon euren Blog lese… oh man, man könnte meinen ich hätte kein eigenes Leben.

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