Abenteuer noch und nöcher

Habe ich mich in letzter Zeit eigentlich irgendwann einmal beschwert, dass mein Leben so langweilig ist? Gut, im letzten Jahr vermutlich weniger, da war ja wahrlich genug los, aber so grundsätzlich könnte ich im Moment etwas positive Langeweile durchaus gut vertragen. Ein kleiner feiner Lottogewinn wäre da überaus hilfreich, so könnte ich mich doch gepflegt beim Shopping langweilen, während ich darauf warte, dass dieses Land mit den wirklich nettesten Menschen, die mir jemals begegnet sind, mich als vollwertigen Bürger akzeptiert. Aber es sollte wohl nicht sein…

Wir hatten zur Abwechslung mal wieder Eisregen – scheint hier irgendwie zur Gewohnheit zu werden. Das fing gestern (Sonntag) Abend an und heute (Montag) früh fuhren dann die Schulbusse wieder nicht. Kennen wir ja schon von letzten Montag. Damit Sohnemann nicht so viel Schule verpasst, habe ich mich bereit erklärt, ihn zur Schule zu bringen: Zu Fuß und er und sein Schulranzen im Schlepptau auf dem Schlitten hinter mir. Laut google maps sind das 2,3 km, wenn man hinten zum Gartentor rausgeht und die Bahnschienen entlangläuft und man braucht ca. 30 Minuten, was auch definitiv hinhaut. Dude fand die ganze Unternehmung unheimlich super und hat gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Besonders toll war es natürlich, wenn der Schlitten auf dem eisüberzogenen Schnee schneller war als ich und er an mir vorbeisauste. Mich hat es auch nur gefühlte 200 Mal beinahe auf den Hintern gesetzt – man war das vielleicht glatt-, ich konnte mich aber zum Glück jedes Mal mit elegant schwingenden Armen vor einem Sturz retten. Da es mich erst am Samstag zuhause die Treppe runtergehauen hat, habe ich von Stürzen fürs erste die Nase voll. Auf jeden Fall hatten wir einen schönen Morgenspaziergang, die Temperaturen waren nur knapp unter 0 Grad also alles überaus angenehm. Und so viel zu spät kam unser Erstklässler auch gar nicht zum Unterricht.

Der Rückweg war dann schon etwas weniger entspannend, weil es dank Plusgraden geregnet hat. Und geregnet und geregnet und geregnet. Als ich endlich zuhause war, war ich patschnass und hatte von körperlicher Ertüchtigung genug.

Cerah durfte Dude dann nachmittags abholen, da waren die Straßen schon geräumt, gesandet und gesalzen. Dazu musste – wie auch schon letzte Woche – das Auto erst mal von der Eisschicht befreit werden. Also Motor an, Heizung auf Vollgas und hoffen, dass die Wärme wenigstens etwas das Eis antaut. Dumm nur, dass das Auto nicht ansprang. Es machte nur klick, klick, klick, klick und das war’s. 15 Minuten bis Unterrichtsende und kein Auto um das Kind abzuholen. K-A-C-K-E! Ganz große Kacke. Es läuft ja grad auch alles so wundervoll, da können wir sowas ganz hervorzüglich gebrauchen. Und ein Kind, was Panik bekommt, weil es alleine vor der Schule steht und niemand kommt, um es abzuholen ist noch viel besser. Also durfte ich mich nochmal zu Fuß auf den Weg machen. Im Laufschritt, um wenigstens keine 30 Minuten zu spät zu kommen. Cerah rief die Schule an, dass sie Dude nicht rauslassen und wir uns leider etwas verspäten werden und ich lief wie der Wind. Oder eher: schnaufte wie eine Dampflok durch Eis und Schnee. Ich war dann im Endeffekt nur 10 Minuten zu spät und die Lehrerin wartete mit ihm vorne im Empfangsbereich, bis ich kam, um ihn wieder mit dem Schlitten einzusammeln. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hier nämlich wesentlich strenger als ich das von unseren Schulen kenne. Er darf nur von drei Personen (Cerah, mir und Gigis Patin) abgeholt werden, alle anderen kucken in die Röhre, egal ob Dude die Person offensichtlich kennt oder nicht. Wenn man zu spät kommt, muss man sich vorne am Empfang eintragen mit Uhrzeit und Grund und überhaupt wird die Anwesenheit strengstens kontrolliert.

Für den Rückweg habe ich mir dann etwas mehr Zeit gelassen und unser Auto springt immer noch nicht an. Kennt ihr das Gefühl, wenn alles irgendwie schiefläuft und auch die kleinste Kleinigkeit sich anfühlt wie die schier unmögliche Bezwingung des Himalayas? Genau so fühlt sich das gerade an. Wobei wir nicht mal wissen, ob das denn wirklich nur eine „Kleinigkeit“ ist, die den Motor am Anspringen hindert. Meine bisherigen Erfahrungen mit Autos hat mich da leider eines besseren belehrt. Wir sind so ein bisschen ratlos und gehen fürs erste mal davon aus, dass es die Batterie ist. Ein Starterset oder wie man sowas nennt haben wir uns vorhin besorgt und dann hoffen wir, dass wir damit Glück haben. Aber wir werden sehen. Bis zum nächsten Drama in diesem Theater. Und das nächste Drama kommt bestimmt. Ob wir das nun wollen oder nicht.

PS: 10 Uhr Abends – das Auto läuft. Die Batterie ist tot. Jetzt dürfen wir jedes Mal das Auto mit einer Starthilfe anmachen, aber was soll’s. Das ist immer noch billiger als die 150 $ plus Steuer plus Einbau, die wir für eine neue löhnen müssten. Hoffentlich kommen wir damit durch den Winter und hoffentlich sieht das Leben im Frühling dann besser aus.

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3 Gedanken zu “Abenteuer noch und nöcher

  1. Oje, ihr tut mir wirklich Leid…
    Wie doof, dass euer Haus offenbar keine Garage hat…
    Und wie blöd, dass ein Kind nur von drei Personen abgeholt werden darf, sonst könnte man sich unter den Eltern organiseren, um die Kinder jeweils gruppenweise abzuholen, wäre doch viel effizienter, als wenn jeder einzeln mit seinem Auto fährt. Aber na ja, da kann man nichts ändern…
    Und ja, ich kenne das Gefühl, dass einfach alles schiefläuft. Aber es wurde dann wieder besser (falls dir das ein kleiner Trost sein kann).

    • Jahaha, das mit der Garage ist so eine Sache, die haben wir nämlich. Nur leider können wir sie nicht für das Auto (ein Van) benutzen, weil unsere Vermieter ein so riesen Regal da reingebaut haben, dass das Auto nicht mehr reinpasst. Wegmachen dürfen wir das natürlich auch nicht, von dem mal abgesehen, dass die Garage im Moment so dermaßen vollgestopft ist, dass wir kaum noch durchlaufen können…

      Irgendwann muss es auch wieder besser werden, es kann ja nicht immer alles schiefgehen! 🙂

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