Unterwegs in geheimer Mission

Mein Plan war die Merwürdigkeiten festzuhalten, die mir beim Schwimmunterricht aufgefallen sind. Und davon gibt es einige. Das Problem: Es ist verboten im Schwimmbad zu fotografieren. Da hängen überall Schilder, damit das auch der letzte Depp kapiert. Räusper. Meine Mission: Trotzdem ein oder zwei Bilder zu machen. So viel zum Thema: Die Deutschen befolgen religiös jede Regel und Gesetze werden nie gebrochen. Ich mag ja in vielen Punkten dem deutschen Klischee entsprechen, aber mit Regeln befolgen hatte ich es noch nie.

Auf dem Weg zum Schwimmbad

Auf dem Weg zum Schwimmbad

No 1. Als erstes fiel mir auf, dass die ersten Hockeystunden bereits rum sind, wenn wir um 8.10 Uhr am Samstag Morgen ins Gebäude laufen. Außer dem Schwimmbad gibt es dort nämlich noch eine Eislaufbahn sowie Turnräume. Cerah meinte, dass Hockey so beliebt sei (Canada, eh?!?), dass die ersten Trainingsstunden bereits um 5 Uhr früh anfangen. Ich finde ja 8.30 Uhr für den Schwimmunterricht schon grenzwertig, aber 5 Uhr früh? Am Samstag? Wow! Das nenn ich mal Liebe zum Sport!

Schuhe, Schuhe und noch mehr Schuhe

Schuhe, Schuhe und noch mehr Schuhe

No. 2 Die Schuhe! Also man kommt ins Gebäude rein und läuft an einer Art Empfangsschalter vorbei. Dann geht es nach rechts zu den Umkleiden fürs Schwimmbad und geradeaus weiter zur Eislaufbahn. Wenn man nach rechts abbiegt, muss man durch eine Glastüre und landet im Vorraum der Umkleiden und da gibt es dann Schuhe. Jede Menge Schuhe und Stiefel in allen Größen, Modellen und Farben. Jeder der reinkommt, zieht dort seine Schuhe aus und stellt sie fein säuberlich neben die Türe zu den Umkleiden – links im Bild. Direkt über dem Schuhregal an der Wand hängt übrigens ein weiteres Schild auf dem dezent darauf hingewiesen wird, dass fotografieren verboten ist. Daher auch die wackeligen Bilder: Ich musste versuchen, das Geschehen unauffällig festzuhalten. Die Schuhe stehen übrigens nach dem Schwimmunterricht noch unangetastet am exakt selben Ort an dem man sie vor dem Schwimmunterricht ausgezogen hat. Letzes Mal war das alles noch etwas beeindruckender, weil die Anzahl der Schuhe mindestens doppelt so groß war wie auf dem Bild.

Alles auf Vertrauensbasis

Alles auf Vertrauensbasis

No. 3 Die Spinde im Umkleidebereich. Die kann man nicht abschließen. Bei uns geht das ja mit 2-Euro-Pfand und Schlüssel und sowas, das gibt es hier gar nicht. Die Spinde sind offen und wie bei den Schuhen funktioniert auch das, ohne dass sich irgendjemand an fremdem Eigentum vergreift. Wenn man seinen Spind dann tatsächlich abschließen will, muss man sich sein eigenes Vorhängeschloss mitbringen wie am Spind links im Bild. Und es ist jetzt nicht so als ob wir hier in irgendeinem Kaff mit 150 Leuten wohnen. Nein, das hier ist die Landeshauptstadt und beinahe eine Millionenstadt.

No. 4 Die Badebekleidung der Mädchen ist exakt so wie bei uns auch: Bikini, Tankini, Badeanzug. Die der Jungs ist dagegen eine ganz andere Geschichte: Die Schimmshorts (kommt bloß nicht auf die Idee eueren Jungen in eine normale Badehose zu stecken!) gehen bis ans Knie. Alles was kürzer ist, ist „unschicklich“ und euer Kind (männliches Kind wohlgemerkt) wird schräg angesehen.

No. 5 Das Schwimmbad hat keine Fenster. Ich habe zwar mittlerweile wenigstens eines mit Fenstern gesehen, aber meistens gibt es kein Tageslicht! Der Grund hierfür ist einleuchtend: Eine Panoramaglasfläche stellt einen riesigen Wäremverlust dar und bei -30 Grad Außentemperatur sind nicht nur die Heizkosten untragbar, sondern es ist schier unmöglich die Wärme auch tatsächlich drinnen zu behalten, denn so große Fensterflächen sind einfach immer eiskalt.

No. 6 Kommt bloß nicht auf den Gedanken, eurem Kind die Badehose in der Öffentlichkeit auszuziehen. Das geht gar nicht und die schiefen Blicke werden zu fassungslosen Gesichtern! Nacktheit ist ein absolutes No-Go! Wenn ihr euer Kind nach dem Duschen wieder anzieht bzw. es sich selbst wieder anzieht, stellt sicher, dass sämtliche Dinge, die die Badebekleidung verbirgt, weiterhin von einem Handtuch bedeckt sind und erst wieder sichtbar werden, wenn sie wenigstens von einer Unterhose bedeckt sind! Am besten erobert ihr euch eine Umkleidekabine oder ihr wartet geduldig mit dem Rest der Eltern bis irgendwann in 10 Minuten eine frei wird.

Nächste Woche ist Elterntag – will heißen, ich darf mit Squishy Dude ins Wasser und beim Schwimmunterricht mitmachen. Dude findet das natürlich unheimlich toll und freut sich darauf wie auf Weihnachten und Geburtstag zusammen. Vielleicht sollte ich ja hinterher nackt (ohne Badeanzug) duschen und mich dann so zu meinem Spind begeben und mich, ohne meine Scham zu bedecken, in aller Gemütlichkeit anziehen. Wäre ja jetzt in Deutschland nichts ungewöhnliches. Aber nach so einer Aktion bekäme ich hier vermutlich Hausverbot und eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und das wollen wir ja wirklich nicht.

*Noch fallen mir solche Sachen auf. In einem Jahr wird das vermutlich alles so normal sein, dass ich es mir nicht mehr anders vorstellen kann. *

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7 Gedanken zu “Unterwegs in geheimer Mission

  1. Hmm, interessant. Ich hab in Montreal immer nackt geduscht – aber ja, das haben auch nicht viele gemacht, stimmt schon. 😉 Und sie sagen ja immer, dass das mehr europäisch ist als der Rest des Landes. (Und ich dachte immer, dass damit die Architektur und das Essen gemeint ist… ;))

  2. Also das mit den Schuhen am Eingang finde ich ziemlich gut, dann hat man nicht den ganzen Straßendreck in der Umkleide! Keine Schlösser finde ich dagegen seltsam. Auch in Kanada wohnen doch nicht nur die Glückseligen und Gutmenschen…
    Und nicht nackt duschen zu müssen, fände ich ganz angenehm. 🙂

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