Schulreif

Bild inukshuk

Inukshuk

Ein ganz wichtiger Grund für unseren Umzug nach Kanada war für uns das Schulsystem. Habe ich schon öfter erwähnt – auch wenn meine Oma überhaupt nicht verstehen kann, dass das deutsche Schulsystem nicht gerade das beste ist – und das wird mir auch immer wieder bestätigt. Als wir letztes Jahr die Untersuchung des Gesundheitsamt zur Schulreife von Dude gemacht haben, meinte die – sehr unsympathische – Dame, dass er keinesfalls 2012 in die Schule sollte, sondern bis 2013 warten soll. Seine Defizite seien einfach zu groß und von wegen Konzentrationsfähigkeit und blabla. Als November-Kind ist er nämlich ein Kann-Kind und hätte theoretisch schon dieses Jahr mit 5 in die Schule gekonnt. Wir reden hier von Deutschland wohlgemerkt. Wir haben damals schon gesagt, dass sie sich die Untersuchung sparen können, weil er im Herbst in Kanada in die Schule kommt und wir diese Untersuchung eh nur machen, weil wir müssen. Wir haben dafür von Seiten des Kindergartens und des Gesundheitsamts nur kritische Blicke erhalten. So  nach dem Motto: Macht ihr nur, ihr werdet schon sehen wie ihr scheitern werdet. Das Kind packt das nie.

Nun ja. Im September kam er dann hier – also in Kanada – in die Schule und hing erst mal hintendran. Er konnte mit Müh und Not seinen Namen schreiben, kannte vielleicht eine Handvoll Buchstaben und konnte dementsprechend weder Lesen noch Schreiben. Fähigkeiten, die hier bereits im Kindergarten erlernt werden. Damit war er einer der Jüngsten (Kanada schult nach Jahrgängen ein, will heißen 2012 kamen alle Kinder, die 2006 auf die Welt kamen in die Schule) und wohl der Schwächste in der ganzen Klasse.

Diesen Freitag ist der 100. Schultag und alles sieht ganz anders aus. Dude befindet sich mittlerweile im soliden Mittelfeld der Klasse, kann selbstständig lesen und schreiben und in Französisch ist er erstaunlich gut, wenn es ihm auch nach wie vor überhaupt keinen Spaß macht. Wir mussten mit ihm nie ein extra Aufhol- oder Förderprogramm oder ähnliches machen. Er wurde von den Lehrern (3 für 23 Kinder) so unterstützt und gefordert wie es für ihn richtig war und hat in einem unglaublichen Tempo aufgeholt. Man ließ und lässt es ihm (im Gegensatz zum Kindergarten) nicht durchgehen, wenn er zu faul war oder keine Lust hatte eine Aufgabe zu machen, sondern blieb konsequent dran bis es erledigt war. Dabei kommt aber auch der Spaß nie zu kurz und es wird sehr darauf geachtet, dass es zur Arbeit auch genügend Spiel- und Erholungsphasen gibt.

Diese Woche hat er dann sein Inukshuk- Projekt aus der Schule mit nachhause gebracht. Alles absolut alleine und ohne Hilfe geschrieben! Und das vom Jungen, der bis vor einem halben Jahr gerade mal seinen Namen aus Papier kritzeln konnte!

Text inukshuk Inukshuks – some inukshuks can mark danger. Inukshuks can help you survive a snows(torm) or a wild animal. I never saw a real inukshuk. Some inukshuks look like big piles of stones. I want to see a real inukshuk. Some inukshuks were built before the pyramids of Egypt were built. Inukshuks can point the way home. People can look through the wind inukshuks to find another inukshuk. Inukshuks are built by the Inuit people in the Arctic Canada.

Wikipedia-Eintrag zum Thema Inukshuk

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4 Gedanken zu “Schulreif

  1. Beeindruckend. Man hört es immer wieder, dass das kanadische Schulsystem um Welten besser ist. Habe von einem Jungen gehört, der in Deutschland den Stempel „Legastheniker“ aufgedrückt bekommen hat und Mühe in der Schule hatte, wobei man wohlgemerkt immer das Kind dafür verantwortlich gemacht hat. Seine Familie ist dann nach Kanada ausgewandert, und oh Wunder, dort hatte er plötzlich keine Legasthenie mehr und auch die anderen „Probleme“ haben sich in Luft aufgelöst.
    Da fragt man sich schon…

    • Und genau da liegt meiner Ansicht nach das Hauptproblem „einen Stempel aufgedrückt bekommen“. Und wenn man den einmal weg hat, dann ist es egal was passiert oder ob das nun wirklich so ist oder nicht, den wird man nie mehr los!
      I

  2. Hach ja, unser deutsches Schulsystem! Es ist gestimmt nicht das beste, da habt ihr recht.
    Wobei ich einige Sachen auch wieder gut finde.

    Prinzipiell wird mir hier in D gerade zum Thema „Einschulung“ ein zu großes Thetaer gemacht. Schulreife ja oder nein, was kann das Kind/was nicht.
    Wobei ich auch finde dass das ganze schon im KIGA anfängt und man da nach den Fehlern auch suchen sollte. (ist so, gibt bestimmt nette Erzieherinnen, aber auch viele die falsch am Platz sind, man schaue sich nur die Ausbildung an…)

    Mein Mann kommt aus dem Ausland, da „lernen“ die Kinder auch schon im Vorschulalter lesen und schreiben, im KIGA. Natürlich alles spielerisch, es macht den Kindern Spaß (wie in Kanada wohl auch).

    Hach, da könnte ich mich stundenlang darüber auslassen, über dieses Thema.

    Letztendlich; schön dass euer Großer seinen Platz gefunden hat und alles so gut meistert!

    LG
    (verfolge dienen Blog schon länger, aber zu diesem Thema musste ich mich kurz auslassen )

    • Ich möchte damit auch nicht sagen, dass alles am deutschen System schlecht ist. Wäre mein Kind anders, hätte ich mir vermutlich auch nicht so viele Gedanken deswegen gemacht. Aber ich kenne mein Kind besser und ich weiß, dass es dort einfach untergegangen wäre.
      Und das Theater zum Thema Einschulung ist definitiv überzogen! Da stimme ich dir zu.

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