Mehr vom ÖPNV in O-Town

Da hatte ich nun also endlich eine Monatskarte, die sogar aussieht wie eine ernstzunehmende Monatskarte und nicht wie ein selbstgemaltes Bildchen auf dem zufällig Ticket steht.

Bevor ich aber zum allersten Mal den Bus bestieg, der mich zur Arbeit bringen sollte, musste ich erst mal rausfinden, wo ich denn besagten Bus überhaupt finden würde. Die Buslinie war relativ schnell gefunden – wobei relativ natürlich immer relativ ist. Wie gesagt, die machen das hier gerne etwas kompliziert. Wir – okay, Cerah, ich habe für sowas null Geduld oder Talent – fanden dann endlich auch den Ort, an dem die Bushaltestelle ist. Die Straße runter, einmal ums Eck, nochmal die Straße runter und das war’s. Da steht auch ein Wartehäuschen. Dumm nur, dass die Nummer am Wartehäusen nicht die ist, die wir rausgefunden hatten. Da da aber nur das eine Wartehäuschen steht und die Busnummer stimmte, stieg ich in den Bus ein und hoffte, dass er mich dahin bringen würde, wo ich hinwollte. Erst einige Tage später fiel mir auf, dass die Bushaltenstellennummer ganz winzig klein auf dem Schild steht, auf dem auch die Nummer der Buslinie steht. Das Häuschen selber hat eine gut sichtbare große Nummer, die aber absolut nichts mit der Haltestellennummer zu tun hat, die ich so verzweifelt gesucht hatte. Was das soll? Ich habe nicht die geringste Ahnung.

Schienenverkehr gibt es hier so gut wie keinen, dafür aber wenigstens die Busse. Die Express-Busse fahren nur im Berufsverkehr, haben größtenteils eine eigene Fahrspur und sogar komplett eigene Straßen, auf denen nur Busse fahren. Somit sind die Busse zur rush hour schneller als man wäre, wenn man im eigenen Auto säße. Ich persönlich hätte neben den Busstraßen gleich noch Schienen gebaut – wenn schon, denn schon – aber immerhin besser als nichts.

Trotzdem fahren nicht wirklich viele Leute mit dem Bus. Im Vergleich zu dem, was man bei uns so aus dem Feierabendverkehr kennt, sind die Busse hier geradezu leer. Zwar sind alle Sitzplätze – meistens – belegt, öfter müssen ein paar Leute auch stehen, aber voll ist etwas anderes. Mein Bus kommt zum Beispiel im Halbstundentakt, wo man meinen sollte, dass in einer Stadt, die knapp 900,000 Einwohner hat, die Busse im Minutentakt kommen sollte. Aber das ist hier alles etwas anderes.

Das nächste: Pünktlichkeit ist relativ. Manchmal kommt der Bus ein paar Minuten zu früh, dann ein paar (können auch gerne mal 10 sein) Minuten zu spät. Gewartet wird nicht, wer nicht da ist, ist eben nicht da. Da kommt so ein bisschen mediterranes Urlaubsgefühl auf. Aber die sind hier sowieso alle so tiefenentspannt, da kommt es nun wirklich nicht drauf an.

Schön auch der Busfahrer, der im Schneesturm die Leute an den Haltestellen stehen lässt, weil er einen „vollen“ Bus und keinen Platz mehr für mehr Fahrgäste hat. Gäbe es in Deutschland auch nicht. Von dem mal abgesehen, dass ein deutscher Busfahrer da locker noch 40 Leute reingequescht hätte – an einem guten Tag auch gerne mal 50.

oc transpo snow stormApropos Schneesturm. So einen hatten wir ja mal wieder letzte Woche. 50 cm Neuschnee an einem Tag. Das war sogar für hiesige Verhältnisse heftig. Normalerweise braucht mein Bus 40 Minuten, an dem Tag verbrachte ich über 2 Stunden in einem Bus, der sich mit allen anderen Autos auf der Straße im Schneckentempo fortbewegte. Aber wenigstens bewegte sich mein Bus überhaupt. Wir sind an mindestens 10 Bussen vorbeigefahren, die im Schnee feststecken und die Straße blockierten. Die Leute durften alle austeigen und durch den Schnee zur nächsten Haltestelle stapfen. Immer in der Hoffnung, dass irgendwann mal ein Bus vorbeikommen würde, der noch Platz hat und nicht einfach vorbeifuhr. Oder aber (wie rechts im Bild von letztem Mittwoch) man darf schieben helfen, damit die Fahrt weitergeht. Lieber schieben als gar nicht nachhause kommen. Aber die Leute hier nehmen das alles mit einer Gelassenheit und einem Humor, der echt zu beneiden ist. Andererseits bleibt einem ja auch nicht viel anderes übrig. Ändern kann man am Wetter schließlich nichts.

Aber ganz ehrlich, die Busfahrerei hier ist auf jeden Fall ein Abenteuer und ich bin mir absolut sicher, dass ich noch öfter davon berichten werde.

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2 Gedanken zu “Mehr vom ÖPNV in O-Town

  1. Hört sich ja echt spannend an 😀 ich glaube ich hätte da schon aufgegeben – schon an dem Punkt die Haltestelle zu suchen 🙂

  2. Cool finde ich ja das es scheinbar echt keinen Stress gibt, selbst wenn alles länger dauert und unpünkltich ist. Da würde man hier ja nen Herzinfarkt bekommen. Mal abgesehen davon, dass niemand dafür Verständnis hat, wenn man zu spät zur Arbeit kommt…

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